Presseecho 2005

Tüllenkanne stammt aus 1686
Haus Schlesien zeigt bis 17. Juli Porzellan aus Bunzlau

Von ANDREA BIRRENBACH

12.04.2005 07:18 Uhr

“Guter Ton aus Bunzlau” heißt die erste Sonderausstellung in Haus Schlesien in diesem Jahr, die bis zum 17. Juli zu sehen ist.
(Foto: Ralf Klodt)

KÖNIGSWINTER-HEISTERBACHERROTT. Ein Bunzlauer Geschirrservice mit Spritzdekor stand am Anfang des 20. Jahrhunderts täglich auf vielen deutschen Tischen. Die Tassen und Kannen, die mit aufgespritzten geometrischen Formen in grün und blau oder in braun verziert sind, wurden vor allem in den 1920er und 1930er Jahren im schlesischen Bunzlau hergestellt. Durch die maschinelle Herstellung - die Keramik wurde nicht mehr von Hand gearbeitet und die Muster mit Hilfe von Aerographen und Schablonen aufgespritzt - wurde das Feinsteinzeug ein Markterfolg.

“Es wurde zum Hauptumsatz der Firmen", sagte Dr. Adelheid Müller, stellvertretende Generaldirektorin des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg. Das Nationalmuseum überlässt Haus Schlesien bis Mitte Juli seine Sammlung Bunzlauer Keramik. “Guter Ton aus Bunzlau" heißt die erste Sonderausstellung 2005 in Haus Schlesien, denn schlesischem Ton wurde lange nachgesagt, er habe besondere Eigenschaften. Dazu trug sicher auch der Ruf als “Gesundheitsgeschirr" bei, den das Steinzeug ab 1830 hatte. Zu dieser Zeit gelang in Bunzlau nämlich eine Lehmglasur ohne gesundheitsschädliche Bleianteile.

Braun bleibt neben Türkis auch im 18. und 19. Jahrhundert die vorherrschende Farbe. Türkisfarben waren etwa Melonenkrüge, die ihren Namen der bauchigen Form mit Rillen verdanken. Ab 1900 setzten sich Schwammdekore durch. Kannen und Tassen wurden mit Schwämmen betupft - besonders bekannt ist das blaue Dekor “Pfauenauge". Bunzlauer Feinsteinzeug wurde schließlich nach dem Erfolg des Spritzdekors mit Laufglasuren verziert, wobei verschiedene Farben ineinander verlaufen.

“Jedes Exponat erzählt eine Geschichte, die identitätsstiftend ist", sagte Vizelandrätin Uta Gräfin Strachwitz bei der Ausstellungseröffnung. Dass die Keramik auch heute noch im polnischen Boleslawiec ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist, sagte der Bunzlauer Stadtpräsident Piotr Roman.

Die Ausstellung in Haus Schlesien ist bis 17. Juli dienstags bis samstags von 10 bis 12 Uhr und von 13 bis 17 Uhr sowie sonn- und feiertags von 11 bis 18 Uhr geöffnet.

Quelle: Bonner Rundschau / Rundschau-Online vom 12.04.2005