Archiv 2003

Investor baut Parkresidenz am Haus Schlesien
BAUVORHABEN Der Grundstücksverkauf ist fast perfekt. Kölner Immobiliengesellschaft will
41 Eigentumswohnungen errichten. Überdachter Wandelgang als Verbindungselement

Am kleinen Giebel des Haupthauses soll eine Passage angebaut werden, die das Haus Schlesien mit dem Neubau verbindet. Im Park entsteht die L-förmige Residenz mit 41 Wohnungen.
FOTOS: GÜNTER GROOTE

Von Uta Effern-Salhoub

HEISTERBACHERROTT.
Wenn sich die Erwartungen von Reinhard Blaschke, Petra Meßbacher und Eric Schütz erfüllen, werden im Herbst kommenden Jahres 41 stolze Wohnungseigentümer erstmals die Schlüssel zu ihren nagelneuen Appartements in der ,,Parkresidenz am Haus Schlesien" umdrehen. Gestern präsentierten der Präsident und die Geschäftsführerin von Haus Schlesien sowie der Geschäftsführer der Kölner Immobilien- und Beteiligungsgesellschaft mbH Gerling & Schütz die Pläne für eine Bebauung des Parks in Heisterbacherrott.

Das Kölner Unternehmen will dem Verein Haus Schlesien sein rund 4.800 Quadratmeter großes Parkgelände abkaufen. Die Immobilienfirma will das Areal zügig bebauen und die entstehenden Ein- bis Drei-Zimmer-Wohnungen mit 21 Tiefgaragen-Stellplätzen an Selbstnutzer oder Kapitalanleger veräußern. Schütz geht von einem Investitionsvolumen von insgesamt rund sieben Millionen Euro aus. ,,Wir kaufen das Grundstück in dem Moment, wo die Wohnungen zu 50 Prozent vermarktet sind", erläutert der Immobilienfachmann. Er geht davon aus, dass dies schon in Kürze der Fall sein wird: ,Einige Wohnungen sind bereits fest reserviert." Die Zielgruppe sind nach seinen Worten Menschen mittleren Alters und rüstige Senioren, die modern und angenehm im Grünen leben und sich gleichzeitig nach Belieben vom Service des Hauses Schlesien versorgen und verwöhnen lassen wollen.

Der Verein Haus Schlesien erwartet, dass er durch den Grundstücksverkauf ein für allemal seinen Schuldenberg hinter sich lässt. Einen wichtigen Beitrag hat bereits die ,,Sonderumlage" unter den Mitgliedern geleistet, die im vergangenen Jahr mit rund 500.000 Euro Haus Schlesien aus der ärgsten finanziellen Bredouille gerettet hatte. Überdies erwarten die Schlesier durch die Residenz für die Zukunft wichtige Synergieeffekte zur Stärkung der Gastronomie ihrer Kultur- und Bildungsstätte. Denn den Bewohnern der Parkresidenz steht die komplette Infrastruktur von Haus Schlesien zur Verfügung. Durch einen überdachten Wandelgang wird Haus Schlesien trockenen Fußes

Verkäufer und Investor: Reinhard Blaschke (links) und Petra Meßbacher vom Haus Schlesien sowie Eric schütz gehen von einer baldigen Realisierung der Parkresidenz aus.

erreichbar sein. Die Bewohner können nach Belieben in den Restaurants frühstücken, zu Mittag und/oder zu Abend essen, Festsäle und Hotelzimmer nutzen -eben alles, was im Haus Schlesien sowieso konstant vorhanden ist. Schütz: ,,Der Bewohner kann den Grad der gewünschten Serviceleistung  individuell wählen und vor Ort abrufen. Er muss also nicht, wie sonst üblich, einen Betreuungsvertrag abschließen." Die Wohnungen werden behindertengerecht und mit Haus-Notruf-Anlage ausgestattet. Eine ambulante Pflege in der Wohnung ist jederzeit möglich.

Von außen werden den Schlesiern und dem Investor für ihren Deal keine Steine in den Weg gelegt: Im Oktober hatte der Königswinterer Planungsausschuss schon einhellig grünes Licht für das Bauvorhaben im Park der Kultur- und Bildungsstätte gegeben. Die Kommunalpolitiker hatten den Bauherren  noch einige Änderungswünsche mit auf den Weg gegeben, die laut Blaschke in die überarbeitete Planung Eingang gefunden haben.

So haben die Architekten für die Dachform jetzt Staffelgeschosse gewählt; außerdem wurde das längs der Petrusstraße geplante Gebäude etwas reduziert. Die Kölner Architekten ,,Przygoda und Hoppenhaus" haben den ursprünglich von Blaschke selbst entworfenen Plänen den Feinschliff gegeben, sie bereits mit dem Landeskonservator abgestimmt und von dort prinzipiell grünes Licht erhalten. Nach Angaben aus Haus Schlesien hatten außer ,,Gerling & Schütz" auch noch einige andere Investoren Interesse an dem Projekt im Park angemeldet.

HAUS SCHLESIEN
Vor 25 Jahren verkaufte die Stadt Königswinter den desolaten historischen Fronhof in Heisterbacherrott für 350 000 Mark an den Verein Haus Schlesien. Es folgte ein beispielloser Wiederaufbau des Gutshofes zur Kultur- und Begegnungsstätte. Im früheren Fronhof sind 36 Gästezimmer mit 73 Betten, Restaurant, Wein- und Bierstube, der große Eichendorff-Saal, weitere Tagungs- und Banketträume, eine Bibliothek mit mehr als 20.000 Bänden und das Museum für schlesische Landeskunde untergebracht. Es präsentiert eine bedeutende Sammlung schlesischen Kunst- und Kulturgutes. 2002 konnte die drohende Insolvenz von Haus Schlesien dank einer Sonderumlage der Mitglieder abgewendet werden. Die aufgebrachten 500.000 Euro reichten zur Tilgung der rund 1,3 Millionen Euro Schulden aber nicht aus. Durch den Verkauf von Parkfläche will man nun endgültig schuldenfrei werden.       ff