Archiv 2003

"Wir brauchen eine Generation der fitten Alten"
HAUS SCHLESIEN
Projekt "Parkresidenz" am Haus Schlesien in Heisterbacherrott gestaltet sich schwierig - Schlesische Klientel ist schon versorgt - Optionsvertrag mit Kölner Investor ausgelaufen - Einzige Chance für eine Totalentschuldung

Von Hansjürgen Melzer

Heisterbacherrott.
Das Projekt "Parkresidenz am Haus Schlesien" in Heisterbacherrott gestaltet sich wesentlich schwieriger als erwartet. Um den mit mehr als 850 000 Euro verschuldeten Verein in eine sorgenfreiere Zukunft zu führen, war im Frühjahr ein Optionsvertrag mit der Kölner Immobilien- und Beteiligungsgesellschaft Gerling & Schütz geschlossen worden. Das Unternehmen wollte dem Verein 4 800 Quadratmeter seines insgesamt 7 700 Quadratmeter großen Parks abkaufen, um das Gelände mit 41 Wohneinheiten zu bebauen.
   Voraussetzung: Für 50 Prozent der Ein- bis Drei-Zimmer-Wohnungen müssen verbindliche Reservierungen vorliegen.Doch die Vermarktung stockt, bisher gab es gleichzeitig nie mehr als 12 bis 15 ernsthafte Interessenten. "Die potenziellen Käufer sind sehr unschlüssig und zögern, einen Optionsvertrag zu unterzeichnen", sagt die Geschäftsführerin von Haus Schlesien, Petra Meßbacher. Inzwischen ist auch der Optionsvertrag mit Gerling & Schütz ausgelaufen. Ob ihr Verein weiter mit den Kölnern zusammenarbeiten wird, lässt Meßbacher offen. "Ob mit dem alten oder einem neuen Investor werden wir auf jeden Fall die bisherige Planung auf den Prüfstand stellen", so die Geschäftsführerin. Davon sei auch die Größe des Projekts ("Das können 25 oder auch 50 Einheiten sein") nicht ausgenommen.
   In jedem Fall sollen die Erfahrungen der letzten Monate aus zahlreichen Gesprächen mit Interessenten in eine neue Konzeption einfließen. So erwies sich die ursprüngliche Hoffnung auf Käufer mit schlesischen Wurzeln als trügerisch. "Bei unserer schlesischen Klientel mussten wir uns eines Besseren belehren lassen. Für sie kommt das Projekt 15 Jahre zu spät", hat Meßbacher festgestellt. Die Generation derer, die ihre schlesische Heimat noch bewusst erlebt haben und heute zu den Gästen im Haus Schlesien gehören, ist zwischen 70 und 80 Jahren alt und hat sich in der Regel auf einen Alterswohnsitz festgelegt. Eine weitere Erfahrung ist, dass die Erwartungen der Interessenten sehr weit auseinandergehen. Viele fragten nach, was wäre, wenn sie von heute auf morgen zum Pflegefall würden. "Wir wollen auf keinen Fall den Schritt zum Alters- und Pflegeheim tun. Das können wir logistisch überhaupt nicht leisten", sagt Meßbacher. Andere Interessenten wollten hingegen ausdrücklich keine Altersheimatmosphäre. "Was wir brauchen, ist eine Generation der fitten Alten, die ihr Haus verkaufen und die Infrastruktur unserer Einrichtung nutzen wollen", kann die Geschäftsführerin das Profil ihrer künftigen Nachbarn ziemlich genau beschreiben. "Wir brauchen einen langen Atem", sagt Petra Meßbacher. Dennoch will der Verein auf jeden Fall an dem Projekt festhalten. Es sei die einzige Chance für eine Totalentschuldung. "Das geht nicht über Spenden und den Verkauf von Streuselkuchen", sagt Petra Meßbacher. Vor allem die hohe Zinsenlast drückt den Verein, obwohl die beiden Hausbanken ihrem Kreditnehmer günstige Konditionen eingeräumt haben.
   2 300 Mitglieder hat der Verein "Haus Schlesien" zurzeit. Tendenz: Jedes Jahr werden es 20 bis 30 weniger, was bei einem Durchschnittsalter von über 60 Jahren nicht verwunderlich ist. Während 90 Prozent der Mitglieder schlesischer Herkunft sind, sind es bei den Spendern nur rund 50 Prozent. "Das ist eine Anerkennung der kulturellen und verständigungspolitischen Arbeit, die unser Haus leistet", sagt Meßbacher. Das erkennt auch der Bund an. Für mehrere Seminare im Jahr mit polnischen Studenten und Schülern erhält die Einrichtung in diesem Jahr rund 100000 Euro an projektbezogener Förderung. Das Museum unterstützt der Bund mit 158500 Euro.

Quelle: General-Anzeiger vom 17.12.2003