Presseecho 2005

Heimische Lieder und ein Treffen mit Freunden
SOMMERFEST Hunderte Besucher folgen der Einladung zur Feier in Haus Schlesien. Das Zimmer “Militsch-Trachenberg”, Küche und mehr erlauben auch den Blick hinter die Kulissen

Von Caren Langer

Unterhaltung nach Noten: Die Mitglieder der Gruppe „Blechschaden" bereichern das Sommerfest im Haus Schlesien mit ihrer Musik. FOTO: FRANK HOMANN

HEISTERBACHERROTT. "Kaffee und Kuchen sind hier immer gut, und auch das Programm gefällt uns sehr", freut sich Hildegard Völker aus Heisterbacherrott, geborene Schlesierin aus dem Riesengebirge. Mit ihren Freundinnen sitzt sie im Innenhof von Haus Schlesien und genießt das Sommerfest des Hauses, auch wenn das Wetter gestern etwas freundlicher hätte sein können. Auf der anderen Seite des Innenhofes hat Carlheinz Galuschka einen großen Tisch mit alten Oberglogauern um sich versammelt. Als ehrenamtlicher Mitarbeiter des Museums engagiert er sich dafür, Besucher über Schlesien zu informieren, und zum Sommerfest des Hauses ist es ihm ein Anliegen, Bekannte aus der Heimat zu treffen. So wie Hildegard Völker und Carlheinz Galuschka haben viele Schlesier sich in Gruppen aus den jeweiligen Heimatorten zusammengefunden, sie sind schon zusammen zur Schule gegangen und nutzen die Gelegenheit, hier alte Freunde zu sehen.

Auch die Musikgruppe „Blechschaden" aus Niederdollendorf, die zum Frühschoppen aufgespielt hatte, kommt gern zum Sommerfest. „In Haus Schlesien haben wir immer ein sehr gutes Publikum mit viel Musikverstand, und wir kennen schon viele Gesichter, weil die Schlesier und wir jedes Jahr herkommen", erzählt Karl Gorgs, der das Ensemble bei diesem Auftritt geleitet hat. „Die Leute haben mitgesungen, und zur Zugabe haben sogar welche getanzt", ergänzt Karsten Zink, der sich mit Karl-Willi Weck nach getaner Arbeit mit einem schlesischen Festteller stärkt. Nach der Blasmusik tritt die Volkstanzgruppe des Kulturkreises Linz mit sechs Trachtentänzen auf. Heute hat die Gruppe keinen schlesischen Tanz im Programm, so Tanzleiter Manfred Schneider, aber die Darbietung der sechs Paare in den Winzertrachten kommt gut an. Geschäftsführerin Petra Meßbacher ist mit dem Fest-Verlauf zufrieden. „Bis zum Mittag hatten wir schon rund 300 Gäste, und am Nachmittag werden es sicher noch mehr." Viele der Besucher sind Stammgäste oder auch Mitglieder im Trägerverein. Neben einem kostenlosen Museums-Besuch können die Gäste „hinter die Kulissen" des Hauses schauen, sich Zimmer, Küche oder Dekorationsmustertische  für Veranstaltungen anschauen.

Während im Innenhof die Feier steigt, wird im Haus Riesengebirge auch an diesem Tag geputzt und Betten bezogen. Empfangsleiterin Sydonia Morcinek: „Gestern hat noch eine Hochzeitsgesellschaft mit 80 Personen- hier übernachtet." Zur Besichtigung steht aber Zimmer „Militsch-Trachenberg" zur Verfügung, ein heller und freundlicher Raum, möbliert in hellem Holz, in dem Schwarz-Weiß-Bilder des Ortes; Wappen und eine alte Landkarte die Wände schmücken. Denn jedes Zimmer im Haus ist nach einem schlesischen Ort benannt und mit entsprechenden Dekorationen versehen. „Auf Wunsch können Gäste natürlich gern das Zimmer ihrer Heimatstadt wählen", sagt Sydonia Morcinek.

Im Hof singen die Besucher derweil mit Christa (75) und Felicitas Rinke (73) zur Akkordeonbegleitung von Marita Jüppner schlesische Volkslieder wie „O du Heimat, lieb und traut" oder „O Täler weit, o Höhen". Mühe haben sie keine, die Anwesenden zum Singen zu bringen, denn die Leute freuen sich, Lieder aus ihrer Jugend zu hören und fallen von selbst ein, hat Felicitas Rinke festgestellt. Auch sie engagieren sich ehrenamtlich als Mitarbeiterinnen des Museums. Schade ist es nur, dass nicht mehr so viele jüngere Leute auf das Sommerfest und zu Haus Schlesien finden, meint Martin Schkrobol, der mit seiner Familie nach Heisterbacherrott gekommen ist. Für Kinder gibt es auf dem Fest auch eine Hüpfburg, ein kleines Karussell, einen Maltisch und eine Buttonmaschine. „Aber es ist ruhiger geworden", sagt Martin Schkrobol. „Leider werden die Leute, die das alles hier aufgebaut haben immer weniger, und die Kinder haben einfach nicht mehr so die Anbindung an Schlesien."

Quelle: general-Anzeiger vom 22. August 2005