Archiv 2003

Die Hemmschwellen existieren nicht mehr
KULTUR Haus Schlesien hat vor 25 Jahren den frühren Fronhof in Heisterbacherrott bezogen.
Sommerfest mit Trachten und Rübezahl-Bier. Der Festakt folgt im November

Von Harald L. Weber

HEISTERBACHERROTT. Hunderte Besucher bevölkerten am Sonntag den schattigen Innenhof von Haus Schlesien in Heisterbacherrott: Die Kultureinrichtung der Schlesier hatte zu ihrem Jubiläums- und Sommerfest eingeladen. Viele Besucher strömten in den früheren Fronhof, um nach einem musikalischen Frühschoppen mit der Königswinterer Musikgruppe Blechschaden vielen weiteren Darbietungen ihre fröhliche Aufmerksamkeit zu schenken.
30 Jahre existiert nun schon der Verein Haus Schlesien und auf 25 Jahre blickt dessen Kulturstätte zurück: wahrlich ein Grund zu feiern. Der eigentliche Festakt soll aber erst noch folgen. Er ist im November geplant. Dann will man in Vorträgen und Ansprachen die kulturelle und gesellschaftliche Dimension von Haus Schlesien würdigen. Neben rheinischen und schlesischen Spezialitäten gab es auf dem Sommerfest ein exotisches Getränk zu genießen. Die Vizepräsidentin des Vereins Haus Schlesien, Petra Meßbacher, präsentierte stolz das dunkle ,,Rübezahl-Bier" - eine Original-Abfüllung einer oberfränkischen Brauerei. Auf die Begrüßung durch Präsident Reinhard Blaschke folgte ein umfangreiches Programm, bei dem es überaus schlesisch zuging: Am frühen Nachmittag sorgten die für das Wochenende im Bus angereisten 30 Kinder und Jugendlichen der Oberschlesischen Volkstanz- und Trachtengruppe ,,Walnak-Schulenburger und Nahler Freunde" aus Tarnau für Begeisterung. Dann lud man zwischen den Tanz-Darbietungen der Volkstanzgruppe des Kulturkreises Linz alle Anwesenden zum Mitsingen ein. Das Landespolizeimusikorchester Nordrhein-Westfalen musizierte. Daneben stießen im Eichendorff-Saal antiquarische Bücher und weitere Infostände, unter anderem zu Kultureinrichtungen im Siebengebirge, auf reges Interesse. ,,Wir haben die Öffnung nach außen geschafft und im Lauf der Zeit viele Hemmschwellen abgebaut", freute sichMeßbacher angesichts des regen Zuspruchs der heimischen Bevölkerung. Das Aufgabengebiet der Kulturstätte sei nicht so eng gefasst, dass es nur um die Darstellung der schlesischen Heimat gehe, sondern auch um das Miteinander in der Region und die Verwurzelung vieler ehemaliger Schlesier in der Siebengebirgsregion.

Nachgefragt

Über die Situation von Haus Schlesien sprach mit Petra Meßbacher, der geschäftsführenden Vizepräsidentin des Vereins Haus Schlesien, Uta Effern-Salhoub.

GA: Wie ist es nach der drohenden Insolvenz im vergangenen Jahr und der darauffolgenden beispiellosen Spendenaktion der Mitglieder heute finanziell um Haus Schlesien bestellt?

PETRA MEßBACHER: Die Mitglieder und Freunde des Hauses haben dem Verein Haus Schlesien im vergangenen Jahr mehr als 500 000 Euro zukommen lassen, um die drohende finanzielle Lähmung abzuwenden. Heute können wir feststellen, dass das ,,Schiff" Haus Schlesien in ruhigeren Gewässern fährt und die finanzielle Lage sich deutlich stabilisiert hat. Es besteht jedoch noch kein Anlass, sich in völlig sicheren Bahnen zu wähnen. Das Hauptziel aller Aktivitäten heißt immer noch Totalentschuldung. Den Verein drückt weiterhin ein Schuldenberg in sechsstelliger Höhe, der aus dem laufenden Betrieb nur schwer zu minimieren sein wird. Es bedarf dazu großer, zusätzlicher Kraftanstrengungen.

 

GA: Wie läuft die Vermarktung der geplanten 41 Eigentumswohnungen im Park? Wann ist mit dem Baubeginn der Wohnresidenz zu rechnen?

MEßBACHER: Das Projekt ,,Parkresidenz" zieht viele Interessierte an. Der Bedarf in der Region an einem solchen Vorhaben ist spürbar. Noch sind nicht alle Wohneinheiten umgesetzt, so dass ein exakter Baubeginn noch nicht genannt werden kann. Dafür müssen rund 20 Wohneinheiten verbindlich reserviert worden sein. Wir setzen jedoch alles daran, dass sich dieses Vorhaben realisieren lässt, denn mit dem Verkauf eines Teils unseres Parkgeländes an den  Investor

soll die Gesamtentschuldung des Vereins herbeigeführt werden.

GA: Wie wird das Haus Schlesien heute von der Bevölkerung im Siebengebirge und in der Region angenommen?

MEßBACHER: Der Verein ging mit dem Kauf des alten, verfallenden Fronhofs im Juni 1978 nicht nur ein großes finanzielles Risiko ein, sondern auch ein emotionales. Die anfänglichen Berührungsängste wurden natürlich dadurch verstärkt, dass die großen Hoftore meist geschlossen waren und das Haus den Eindruck erweckte, nur auf diejenigen einladend zu wirken, die selbst Schlesier oder Mitglied im Trägerverein sind. Heute stellen wir mit Freude fest, dass wir von den Heisterbacherrottern und Thomasbergern und allen anderen um uns herum sehr gut akzeptiert werden und integriert worden sind. Viele Gäste sind keine Schlesier, sondern am Thema Schlesien Interessierte und wollen einfach mal schnuppern. Die Einmaligkeit von Haus Schlesien, Kulturpflege, Künstlerisches und Kulinarisches unter einem Dach zu verbinden, macht seine Attraktivität aus.

Quelle: General-Anzeiger vom 22.07.2003

  Bilder vom Sommerfest