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Von Dagny Schwarz
HEISTERBACHERROTT. Zwei Generationen, die aufgrund ihres Alters, ihrer Erfahrungen und ihrer persönlichen Geschichten unterschiedlicher nicht sein könnten, begegneten sich beim Zeitzeugengespräch im Haus Schlesien. Die polnischen Studenten haben natürlich nicht zuletzt durch ihr Germanistik-Studium viel über die Geschichte und die Vertreibung der Deutschen aus ihrem Land gelernt. Sie wissen aber auch um die schmerzlichen historischen Erfahrungen ihres Heimatlandes und kennen die Geschichten, die ihre Eltern und Großeltern von der deutschen Besatzung erzählen. Von den Zeitzeugen hörten sie nun jedoch zum ersten Mal auch ganz persönliche Berichte über die Diskriminierung, Enteignung und Vertreibung der Deutschen aus Schlesien. Dass sich diese Geschichten an Orten rund um Breslau ereigneten, die sie gut kannten, brachte sie ihnen noch näher. Still und zeitweise ergriffen war die Stimmung im Raum zu Beginn, als die Zeitzeugen aus ihrem Leben berichteten. Die Studenten schienen zu bewundern, wie diese Menschen trotz aller schmerzvollen Erlebnisse nicht aufgegeben und sich ein neues Leben, eine neue Heimat geschaffen haben. Und dabei offenkundig auch die Freude am Leben nie verloren - denn auch herzlich gelacht wurde an diesem Abend zusammen. Die Vertriebenen wirkten überhaupt nicht verbittert, sondern scheinen sich gerade aus ihren Erfahrungen heraus für Versöhnung und Verständigung einsetzen zu wollen. Auf beiden Seiten war keine Spur von Voreingenommenheit, ging es nicht um Vorwürfe und Schuldzuweisungen. Das Besondere an diesem Abend war, dass sich ein ganz offener Austausch zwischen zwei Generationen entwickelte, bei dem es nicht um die Wunden der Vergangenheit, sondern um Zukunftsfragen ging. Und die Zukunft, darüber war man sich einig, soll eine friedliche und freie sein. So wurde auch über den EU-Beitritt Polens im Mai und die Arbeitslosigkeit in Deutschland und Polen gesprochen. Aber auch Themen wie die Integration der Türken in Deutschland interessierten die Studenten. Wie sehen die Schlesier, die selber die Probleme mit Polnisch als Amtssprache und dem Verbot deutschsprachiger Schulen erlebt haben, die Schwierigkeiten der türkischen Familien heute? Die Offenheit und Herzlichkeit, mit der bei diesem Treffen aufeinander zugegangen wurde, waren für mich überraschend und beeindruckend. Sogar das Alter spielte keine Rolle: Als eine Zeitzeugin erzählte, sie sei bei ihren Besuchen in Breslau in den letzten Jahren auch öfters im ,,Spiz" gewesen, einem Lokal, in dem Abends immer viele Studenten säßen, lachten die polnischen Besucher: „Ja, auch nachts...“.
Dagny Schwarz (19) absolviert zurzeit ein Praktikum in der Redaktion Siebengebirge des General-Anzeigers. Sie legte im vergangenen Jahr ihr Abitur am Gymnasium am Oelberg in Oberpleis ab.
Quelle: General-Anzeiger vom 16.01.2004
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